Was vom Patient sein muss

Was für Sie, als Patient, sein muss, ist das Erlernen der homöopathischen Sprache. Kinder können diese Sprache oft sehr spontan, es sind eher wir Erwachsenen, die sich mit dem Kopf selbst im Weg stehen... Und durch die starke Betonung des Intellekts, haben wir diese einfache und natürliche Sprache nur verlernt. Also, fassen Sie Mut, es ist nicht so schwer, wie es zunächst aussieht!

Was bedeutet "homöopathische Sprache"?

Die Schulmedizin lebt von den Daten aus den Befunden: körperliche Untersuchung, Labor, bildgebende Verfahren wie MRT, Röntgen, Gewebeproben usw. So genau diese Daten für die Diagnostik und Behandlung nach dem Verfahren der Medizin sein müssen, so genau muss die Beschreibung des Beschwerdebildes für die Homöopathie sein.

Die medizinische Befunderhebung führt zur Diagnose: DIE Magenentzündung, DIE Angststörung, DER Reizdarm und damit zum Allgemeinen einer Krankheit, egal, wer diese hat. Die Homöopathie nach Hahnemann nimmt einen anderen Blickwinkel ein: wir suchen DIE Arznei für IHRE Magenentzündung, IHRE Angststörung oder IHREN Reizdarm. Also nicht nur die allgemeine Diagnose, sondern Ihre individuelle Art, die diese Erkrankung bei Ihnen hat.

Und damit benötigen wir in der Homöopathie zwar auch die allgemeinen diagnostischen Daten, aber vorrangig die individuelle Schilderung der Beschwerden, wie sich diese bei IHNEN zeigen.

Eigentlich ist es ganz einfach:

- Ihre Krankheit macht Ihnen Beschwerden.

- Eine Beschwerde setzt sich zusammen aus verschiedenen Symptomen.

- Ein Symptom setzt sich zusammen aus verschiedenen Zeichen (von mir Puzzleteilchen genannt).

Es gibt vier Zeichenarten:

- die Beschwerde selbst: eine Schwellung, Durchfall, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Traurigkeit usw.

- der Ort der Beschwerde: eine Lokalität, ein Organ, ein Gewebe. Auch das Gemüt, der Schlaf sind „Orte“ von Beschwerden.

- die Empfindung der Beschwerde: ein Kältegefühl, Hitze, Stechen, Drücken usw.

- die Umstände der Beschwerde (in der Homöopathie als Modalitäten bezeichnet): nur am Morgen, in der Nacht, beim Gehen, im Sitzen, beim Kaltwerden usw.

Wenn Sie sich nur einwenig in dieser Sprache üben, können Sie ihre Beschwerden bald gut beschreiben. Zur Veranschaulichung ein Beispiel, warum das so entscheidend ist:

Ihre immer wiederkehrenden chronischen Spannungskopfschmerzen sind stechend, nur im Vorderkopf und wenn Sie gehen, werden diese Schmerzen stärker. An schlimmen Tagen kommt Übelkeit mit hinzu. Wenn Sie aufstehen oder gar stolpern, dann sticht es nicht, sondern es pulsiert in der Stirn, was sich bald wieder legt. Einen kalten Lappen auflegen und hinliegen tut gut.

Nun teilen wir dies nach den Zeichenarten ein:

- Beschwerde selbst: Kopfschmerz, Übelkeit

- Ort: Kopf, genauer Vorderkopf/Stirn

- Empfindung: Stechen, Pulsieren

- Umstände: Gehen verschlechtert, so auch Aufstehen, Stolpern. Besser im Liegen und durch Kühlen (der kalte Lappen).

Mit dieser genauen Beschreibung der Kopfschmerzen in der Sprache der Homöopathie, kommen nach der Analyse nur noch zwei Arzneien in Betracht: Calcium carbonicum oder Natrium muriaticum. Durch den Vergleich der beiden Arzneien miteinander, wird der Homöopath die für Ihren Fall passendere der beiden finden können.

Wenn der Kopfschmerz in der Stirn aber drückend ist und sich dieser Schmerz beim Gehen und Aufstehen verstärkt und mit dem Kopfschmerz Schwindel sowie eine starke Müdigkeit auftreten, so wären die in engere Wahl kommenden Arzneien Phosphorus, Laurocerasus oder vielleicht noch Belladonna.

Bei beiden Fällen wäre die allgemeine Diagnose „Spannungskopfschmerz, wiederkehrend“. Und doch ist das konkrete Leiden des Einzelnen homöopathisch gesehen individuell so unterschiedlich! Nun verstehen sie den Grund, warum ihr Homöopath, wenn er auf diese Weise arbeitet, so genau nachfragt und immer wieder, wie ein Kümmelspalter, bei einer Beschreibung größere Genauigkeit haben möchte. Dies tut er nur aus einem Grund: er möchte die für Ihre individuelle Krankheit passende Arznei finden, denn davon hängt Ihre Chance auf Heilung oder zumindest Linderung ab.

Jetzt erkennen Sie, warum es so wichtig ist, dass Sie Ihre Krankheit in der Sprache der Homöopathie schildern können, was gar nicht so schwer ist! Außer den Empfindungen, diese fallen uns oft nicht so leicht. Hier helfen Bilder und Umschreibungen (als ob, wie von): „Es sticht wie von Nadeln, einem Messer“ oder „Es drückt als ob ein Gewicht aufliege“ oder „wie von einem Kloß“. Oder „… als ob ein Lastwagen über meinen Rücken gefahren wäre“ - dies wäre homöopathisch ein Bild für Zerschlagenheit. Als Anregung und zum Üben habe ich einen Crash-Kurs für Sie erstellt, den sie hier finden: Crash-Kurs – dort sehen Sie auch eine etwas größere Auswahl von Michael Kohl, dem Erforscher der methodischen Arbeit mit dem Symptomen-Lexikon.