Homöopathie nach Hahnemann – Was bedeutet das?

Schon zu Hahnemanns Lebzeiten begann es, dass sich verschiedene „Schulrichtungen“ in der Homöopathie ausbildeten. So sehr er selbst, als Entdecker und Erforscher dieser Therapie, dagegen vorging, konnte er die Entwicklung nicht aufhalten. Aber diese Erscheinung der Aufsplitterung in verschiedene Methodiken, Ansichten usw. finden wir ja nicht nur in der Homöopathie.

Bereits früh etablierten sich drei Grundströmungen. Die eine orientierte sich am medizinischen Denken und arbeitete nach Diagnosen, statt nach dem genauen Beschwerdebild (siehe auch: Was vom Patient sein muss). Die andere nahm bereits früh psychologisch-mystische Formen an und suchte die Arzneien nach Typen, Menschenbildern und Konstitutionen (blond, blaue Augen etc.) und die dritte Form war die von Hahnemann ursprünglich formulierte Art des Arbeitens. Dies brachte Constantin Hering, einer der Großen der homöopathischen Frühzeit, schon 1833 dazu folgenden Satz zu schreiben:

„Die neue Schule (d.i. die Homöopathie) geht schon jetzt mit starken Schritten nach zwei Abwegen hin. Die eine Partei wird sich zwischen dem Alten (d.i. die Schulmedizin) und Neuen niedersetzen; die andere wird sich mit den mystischen Schulen verbinden. Beide taugen nichts. Wir wollen in der rechten Hahnemann´schen Mitte bleiben!" 

Die Orientierung am (schul-)medizinischen Denken gibt es bis heute, es ist die Klinische Homöopathie, die unverändert so arbeitet (bei Beschwerde X nehme man das homöopathische Mittel Y oder das Komplexmittel XYZ).

Auch die „mystischen“ Schulen gibt es noch heute in bunter Vielfalt. Sie beruhen vornehmlich auf der Interpretation der Homöopathie durch den amerikanischen Arzt James Tyler Kent. Als Abgrenzung von der Klinischen benennen deren Vertreter ihr Vorgehen als Klassische Homöopathie *. Kent ist eigentlich eine tragische Figur. Er war sich sicher, Hahnemann verstanden zu haben, doch leider entsprach das nicht der Tatsache. Er hatte sich die Homöopathie aus Büchern selbst beigebracht, die vom alten Deutsch Hahnemanns schlecht ins Englische übersetzt waren – eine Quelle vieler Missverständnisse.

Erst in den letzten 20 Jahren kam es in Deutschland zu einer Renaissance der ursprünglichen Homöopathie, wie sie von Hahnemann formuliert worden war. Mehr und mehr Kollegen begannen die alten Quellen zu lesen, die zum Teil auch jetzt erst aus der Versenkung auftauchten. So sind wir heute erst in der Lage, die „Hahnemann´sche Mitte“, wie Hering es gefordert hat, überhaupt wieder zu sehen! Und an dieser Mitte orientiert sich mein eigenes homöopathisches Arbeiten.

Wie Sie sich denken können, gibt es innerhalb der Homöopathie einen heftigen Richtungsstreit, welche Methode die „richtige“ ist und welche nicht. Ein Streit, in dem ich mich zurück halte, auch wenn ich hier eine klare Position einnehme. Tatsache ist, dass die modernen Strömungen seit Kent das Hahnemannsche Original verlassen haben. Unabsichtlich und aus Versehen. Das heißt nun aber nicht, dass diese Kollegen keine Heilungen haben, auch wenn das Vorgehen gänzlich anders ist, als Hahnemann es begründete. 

Es geht mir einzig und allein darum, dass Sie als Laien erkennen: es gibt verschiedene Formen von Homöopathie. Konnte Ihnen also ein Homöopath mit seiner Art zu arbeiten nicht helfen, dann ist das wichtig. Zu sagen: „Die Homöopathie hat mir auch nicht geholfen.“, stimmt dann nicht, denn es war – vielleicht – nur die eine spezielle Form von Homöopathie, die nicht geholfen hat. So könnte es ratsam sein, durchaus noch eine andere Art von Homöopathie, einen anderen Homöopathen mit ihrer Erkrankung aufzusuchen, bevor Sie ganz aufgeben.  

(Näheres zum Thema "Homöopathie nach Hahnemann" finden Sie hier unter Hintergründe.)

* Leider sind die Begriffe nicht so genau festgelegt in der Homöopathie. So gibt es klassische Homöopathen, die dennoch überwiegend nach Hahnemann arbeiten und es gibt genuine Homöopathen (auch ein Begriff, der die hahnemannsche Arbeitsweise kennzeichnen soll), die nach psychologischen und/oder konstitutionellen Gesichtspunkten arbeiten. 

   

"Ist Heilung möglich?"

Es ist wichtig zu beachten, dass kein Therapeut der Welt ein Heilversprechen geben kann, denn wir sind nicht in der Lage, Schicksal zu spielen. So hat jede Behandlung und auch die Homöopathie ihre Grenzen, deren es vor allem drei sind: zum einen die Kenntnisse des Therapeuten/Homöopathen, zum anderen die Fähigkeit des Patienten zu Beobachtung und Schilderung seiner Beschwerden (hier finden Sie Hinweise zum Erlernen der "homöopathischen Sprache") und letztlich eventuell bestehende unumkehrbare organische Veränderungen durch eine Krankheit. Leider gibt es unheilbare Fälle, oder Fälle, bei denen teilweise nur noch die Möglichkeit einer Linderung besteht. Dies betrifft nicht bestimmte Krankheiten, sondern ist individuell abhängig, was jedoch keiner voraussagen kann. Aus diesem Grund lohnt sich ein "homöopathischer Versuch" eigentlich immer! Mit Beginn der Behandlung wird es schnell klar, ob der Fall homöopathisch gelöst werden kann und wenn ja, wie weit. Sobald ich erkenne, dass ich in einem Fall nicht helfen kann, werde ich das in aller Ehrlichkeit ansprechen.

Insgesamt ist von der homöopathischen Behandlung zu sagen: je natürlicher sich die Krankheit zeigt, d.h. möglichst unbeeinflusst durch verschiedene andere Medikamente oder widrige äußere Lebensumstände, umso wahrscheinlicher ist es, dass Heilung möglich wird. Dies ist auch bei akuten Erkrankungen wichtig! Je mehr Sie selbst schon an Naturmittelchen oder anderen Medikamenten genommen haben, bevor Sie dann doch homöopathische Hilfe suchen, umso schwieriger wird es in der dadurch verwischten Symptomatik, die eigentlich angezeigte Arznei noch zu finden.

Das homöopathische Ideal ist: die Beschwerden beginnen und Sie beobachten diese in allen Feinheiten nach dem "Crash-Kurs Homöopathie nach Hahnemann - für Patienten", den Sie hier finden. Sollte überhaupt eine Behandlung erforderlich sein, rufen Sie an. Mit diesem unverfälschten Bild der Erkrankung lässt sich in aller Regel sehr gut arbeiten, da die angezeigte Arznei besser und schneller gefunden werden kann.

Bei den schwereren Krankheiten, die den Einsatz von allopathischen Medikamenten erfordern, ist zumindest oft eine Linderung möglich, in manchen Fällen kann sogar hier noch eine Heilung gelingen.

Auch zu den Problemen schwieriger Lebenslagen äußerte sich Hahnemann bereits etliche Jahre vor Sigmund Freud und unterschied krankheitsunterhaltende Ursachen von Heilungshindernissen. Beides sind Themen, die dem Homöopathen in der Praxis immer wieder begegnen und mit denen er, unabhängig von der Arzneiwahl, umzugehen hat, um Linderung, Chancen auf Veränderungen oder gar Heilungen zu ermöglichen.

Bitte beachten Sie zu diesem Thema auch das Kleingedruckte auf der Startseite.

 

"Wann tritt Heilung oder Linderung ein?"

Spricht ein Fall auf die homöopathische Behandlung an, so wird oft die Frage gestellt, wann denn mit Heilung oder wenigstens einer Linderung zu rechnen wäre. Eine verlässliche Antwort und Einschätzung ist schwierig, denn hierbei spielen viele Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel Vorerkrankungen in der Familie (Vererbung?), eigene früher durchgemachte Krankheiten, Dauer der bestehenden Krankheit, aktuelle Lebenssituation usw., so dass der zeitliche Behandlungsverlauf im Voraus nicht sicher abzuschätzen ist.