Hintergründe

Hier erfahren Sie einwenig mehr zur Geschichte der Homöopathie und wie es zu den unterschiedlichen Strömungen kam, die unter dem Menüpunkt Homöopathie nach Hahnemann angedeutet wurden. 

Nachdem in der Frühzeit der Homöopathie das Wissen über die Wirkungen der einzelnen Arzneien stark zunahm, kam die Notwendigkeit auf, ein gutes Nachschlagewerk zu erstellen, denn keiner konnte sich all die Details, Symptome und Zeichen von so vielen unterschiedlichen Arzneien mehr merken. Hierzu hatte Hahnemann die geniale Idee eines Symptomen-Lexikons, das alle Symptome auf eine bestimmte Weise anordnete. Durch diese Anordnung war es mit wenig Mühe möglich, die tatsächliche Wirkung einer Arznei, also die ihr typischen Zeichen in den verschiedenen Symptomen, zu erkennen. Hahnemann hatte für sich selbst einen Prototypen erstellt, der noch heute im Robert-Bosch-Institut für Medizingeschichte in Stuttgart besichtigt werden kann!

Die damaligen Homöopathen waren begeistert von dieser Idee und G.H.G. Jahr sollte das Symptomen-Lexikon erstellen. Doch leider scheiterte er, die Datenmenge war bereits viel zu groß geworden. Die Berechnung ergab 48 dicke Bände und einen jahrelangen Zeitaufwand, um diese zu erstellen, der über G.H.G. Jahrs restliche Lebenserwartung hinaus ging.

Damit war Plan A gescheitert, das Symptomen-Lexikon war nicht zu erstellen.

So musste ein Plan B her und dies waren die Repertorien, die wir bis heute in der Homöopathie für unsere Fallanalysen als Nachschlagewerke verwenden. Die ersten wurden von G.H.G. Jahr und Clemens von Bönninghausen erstellt. Wie es für einen Plan B typisch ist, hatten diese Werkzeuge ihre Schwächen. Diese versuchte man durch Erfahrung mit den einzelnen Krankenbehandlungen etwas auszumerzen, was teilweise gelang, aber auch neue Unsicherheiten schuf.

Es ist wie immer: Plan B ist Plan B und nicht Plan A.

Dennoch waren diese frühen Repertorien durchaus sehr verlässlich, wenn man um die Schwächen wusste. Auch die weiteren späteren Werke, vor allem jene von C.M. Boger, einem amerikanischen Homöopathen aus der Blütezeit der Homöopathie in den USA, sind bis heute gut zu gebrauchen.

Schwierig wurde es erst mit Kents Repertorium, das eigentlich eine gute Idee war. Kent wollte aus den vielen kleineren und mittleren Repertorien ein großes erstellen, in dem alle Informationen zu finden waren. Die Umsetzung erwies sich als schwierig, nicht nur dass Fehler der alten Repertorien übertragen wurden, sondern es entstanden durch weitere Missverständnisse und falsche Zuordnungen vor allem zahlreiche neue. Aber auch hier erwies es sich, wer diese Schwächen einschätzen konnte, war durchaus in der Lage mit Kents Repertorium erfolgreich zu arbeiten! Es ist bis heute das Grundlagenwerk, da ursprünglich auf Englisch, der weltweit praktizierten Homöopathie.

Die heutigen modernen Repertorien wollten die Idee Kents fortsetzen und beruhen auf seinem Repertorium. Es wurden alle weiteren Informationen und Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte gesammelt und eingearbeitet, aber leider auch Meinungen in unterschiedlichster Prägung. So redlich und ehrenhaft die Idee war und ist, das Ergebnis lässt für den praktischen Alltag, d.h. die Arbeit an den Krankheitsfällen – und dies nicht nur in meinen Augen – sehr zu wünschen übrig. Auf diesen Erweiterungen beruhen viele der modernen Strömungen, einige von ihnen haben aber auch eigene Repertorien passend zu ihrer Methodik erstellt. Ob diese modernen Richtungen als Plan C bezeichnet werden können, vermag ich nicht zu sagen. Mit einigen von ihnen habe ich mich beschäftigt, teilweise mehr, teilweise weniger. Letztlich war es meine Unzufriedenheit in der praktischen Arbeit, die mich zwang weiter zu suchen, um – zumindest für mich – eine bessere Vorgehensweisen zu finden.

Was dazu führte, dass auch ich in den Strom der Kollegen geraten war, die sich dem Studium der Quellen zuwandten. Das Ergebnis dieser Forschungen in den alten Schriften war nicht nur eine Wiederbelebung der alten Plan-B-Reperorien, sondern es kam noch besser! Uwe Plate, ein Heilpraktiker, hat sich die Mühe gemacht und in jahrelanger Kleinstarbeit das Symptomen-Lexikon nach der Idee Hahnemanns erstellt! Dank der Erfindung des Computers war es möglich geworden, die Arbeit zu leisten, an der G.H.G. Jahr aufgrund der Datenmenge scheitern musste. In weiteren vielen Jahren akribischen Forschens hat Michael Kohl, ebenfalls ein Heilpraktiker, die Arbeit mit diesem Werkzeug für den Praxisalltag tauglich gemacht. Auch andere Kollegen widmeten sich dem Symptomen-Lexikon, so dass wir heute in der Lage sind, nach Plan A zu arbeiten! So, wie Hahnemann es sich gewünscht hatte. Die Erfahrungen, die wir immer wieder damit machen dürfen, sind nicht nur gut. Sie sind oft auch erstaunlich.

So froh ich auch bin in der Plan-B-Homöopathie ausgebildet worden zu sein, denn es gibt durchaus vereinzelte Krankheitsfälle, die mit diesem Vorgehen eher gelöst werden können, und auch wenn ich die gesammelten Informationen Kents in wenigen Fällen nutze, so arbeite ich heute doch mit großer Begeisterung nach Plan A, der ursprünglichen Idee Hahnemanns, und dieser ist in den allermeisten Fällen möglich. (Notwendig hierzu ist es, dass der Patient in der Lage ist, seine Beschwerden gut und genau schildern zu können. Näheres hierzu finden Sie unter Was vom Patient sein muss. Und Näheres zu mir finden Sie unter Zu meiner Person.)