Was ist aus dem Begriff "Genuin" auf meiner Internetseite geworden?

Bisher haben Sie auf meiner Internetseite den Begriff "Genuine Homöopathie" gefunden, von dem ich mich verabschiedet habe. In wenigen Sätzen möchte ich Ihnen erklären, warum.

Im Laufe der 220 Jahre Homöopathiegeschichte ist es dazu gekommen, dass sich mehrere Formen des homöopathischen Arbeitens entwickelten. So zum Beispiel die von Hahnemann ursprünglich entwickelte Methode und schon zu seinen Lebzeiten entstand die klinische Homöopathie, die nach Diagnosen vorgeht: man nehme bei Schnupfen Arznei XY. Das individualisierende Prinzip wurde stark vereinfacht und auf die momentan diagnostizierten Krankheitsnamen beschränkt. Auf dieser klinischen Homöopathie beruht auch die Komplexmittelhomöopathie: viele Arzneien werden für eine Diagnose oder einen Krankheitszustand zusammen gemischt, was mit der Homöopathie Hahnemanns definitiv nichts mehr zu tun hat.

Als die Homöopathie in Deutschland in den 60er-Jahren eine Renaissance erlebte, grenzten sich die damaligen Homöopathen, die sich an dem Homöopathieverständnis des amerikanischen Homöopathen James Tyler Kent orientierten, mit dem Begriff der "Klassischen Homöopathie" von den Klinikern ab. In den 80er-Jahren entstanden dann innerhalb der Klassischen Homöopathie zunehmend psychologisch-psychotherapeutisch eingefärbte Vorgehensweisen, bei denen der Typus des Menschen wichtiger wurde als die Krankheit. Diese Schulen haben sich bis heute vielfältig aufgefächert und als es in den letzten 10 Jahren eine erneute Rückbesinnung auf Hahnemann innerhalb der Homöopathenschaft gab, grenzten sich diese Kolleginnen und Kollegen von den psychologisch eingefärbten Modeströmungen durch den Begriff "Genuine Homöopathie" (genuin, lat.: ursprünglich) ab.

Bei dieser Neuausrichtung an den ursprünglichen Quellen kam es auch ans Tageslicht, dass das Verständnis der Homöopathie von Kent, obwohl er sich auf Hahnemann in seinen Schriften beruft, sich deutlich von der Homöopathie Hahnemanns unterscheidet. Kents "Missverständnis" lag schlicht an der sinnverstellenden Übersetzung des alten Deutsch Hahnemanns aus dem 19. Jahrhundert in die englische Sprache des 20. Jahrhunderts. So galt es also für die "Genuiniker" sich nicht nur von den Modeströmungen der letzten Jahre, sondern auch von der Kentschen Homöopathie, also der Klassischen Homöopathie, insgesamt abzugrenzen. In der damaligen Zeit habe ich dazu einen Artikel in unserer Fachzeitschrift geschrieben, den Sie hier lesen können: 

 Genuine Homöopathie - was ist das?

Da in der Zwischenzeit auch der Begriff "genuin" innerhalb der Homöopathenschaft leider oft nicht mehr im eigentlichen Sinne verwendet wird, habe ich mich von jeglicher Zusatzbezeichnung meines homöopathischen Arbeitens verabschiedet und führe nur noch den Begriff "Homöopathie" bzw. "Homöopath" - so wie es zu Hahnemanns Zeiten üblich war. Ich denke, dieser schlichte Begriff, wie er von Hahnemann gewählt worden war, bringt am besten meine Arbeitsweise zum Ausdruck: die Orientierung am Original, so weit es für den einzelnen Fall zielführend ist, zusammen mit der Homöopathie der Blütezeit in den USA, die amerikanische Ära vor Kent. Aber auch der Kentsche Blickwinkel kann in einzelnen Fällen einen Hinweis geben und dann bin ich durchaus bereit, diese Brille aufzusetzen. Mein Motto: "Den Blickwinkel so weit wie nötig und am Original so dicht wie möglich".